Saillt Mór in Bad Dürkheim: Besuch in der Brennerei

Historischer Besuch bei Saillt Mór in Bad Dürkheim: Brennhaus, Fasslager, deutsche Single Malts und persönliche Eindrücke aus dem Jahr 2020.


Von Pat Hock
3 Min. Lesezeit


Saillt Mór zeigt, wie eigenständig deutscher Whisky sein kann. Die Brennerei in Bad Dürkheim verbindet regionale Brenntradition mit Single Malt, Torfmalz und unterschiedlichen Fassarten. Unser Besuch fand im Jahr 2020 statt und wird hier bewusst als historischer Erfahrungsbericht wiedergegeben.

Aktuelle Führungen, Abfüllungen und Öffnungszeiten können sich seitdem verändert haben und sollten direkt bei der Brennerei geprüft werden. Im Feingeist-Shop werden derzeit keine Saillt-Mór-Produkte geführt.

Warum wir nach Bad Dürkheim fuhren

Der eigentliche Anlass war ein leeres Fass, das Marco und ich zur Wiederbelegung abholen wollten. Weil sich Saillt Mór ebenfalls in Bad Dürkheim befindet, verbanden wir die Fahrt mit einem Besuch. Aus dem geplanten Zwischenstopp wurde ein ausführlicher Einblick in Brennhaus, Fasslager und die Arbeitsweise von Inhaber Ralf Hauer.

Ein Blick ins Brennhaus

Beim Rundgang erklärte uns Ralf Hauer die damalige Produktion. Das ungetorfte Malz stammte aus Deutschland, getorftes Malz aus Schottland. Für unterschiedliche Destillate wurden Brennabläufe gezielt angepasst. Besonders beim rauchigen New Make sollte der Torfcharakter erhalten bleiben.

Die Begegnung machte deutlich, dass deutscher Whisky keine Kopie von Scotch sein muss. Rohstoffwahl, Brenntechnik, Klima und regionale Fässer führen zu eigenen Profilen. Die geschützte Bezeichnung „Scotch Whisky“ bleibt an Schottland gebunden; deutscher Single Malt entwickelt seine Identität aus anderen Voraussetzungen.

Das Fasslager von Saillt Mór

Über den Verkaufsraum führte eine Treppe in den Keller. Dort lagen deutlich mehr Fässer, als wir erwartet hatten. Besonders auffällig waren eine große Port Pipe und Fässer, die zuvor mit trockenem Fino Sherry belegt waren.

Wir durften einen damals siebenjährigen Whisky aus einem Fino-Fass probieren. Das trockene Sherryprofil wirkte anders als die häufig erwartete schwere Rosinen- oder Dessertsüße: feiner, nussiger und strukturierter. Der Besuch zeigte, warum die Angabe „Sherryfass“ allein noch kein vollständiges Geschmacksbild liefert.

Mehr über die Wirkung anderer Vorbelegungen erklärt unser Ratgeber Whisky aus dem Portweinfass. Welche Schwierigkeiten ein altes kleines Fass verursachen kann, dokumentiert unser eigenes Whisky-Fassprojekt.

Rauchiger Whisky aus der Pfalz

Im damaligen Shop stand auch ein rauchiger Single Malt, hergestellt mit schottischem Torfmalz und gereift in einem ehemaligen Bourbonfass. Der Whisky überraschte uns mit gut eingebundenem Rauch, leichter Süße und einem klaren Malzcharakter. Die Assoziation zu Islay war nachvollziehbar, ohne dass der deutsche Whisky seine Herkunft verstecken musste.

Für mich gehörte diese Probe zu den stärksten Eindrücken des Besuchs. Sie zeigte, dass Torfrauch kein exklusives Merkmal schottischer Brennereien ist. Entscheidend bleibt, wie sauber Destillat, Rauch und Fass aufeinander abgestimmt sind.

Pfälzer Eiche als regionaler Faktor

Weitere Proben stammten aus frischer Eiche aus der Pfalz. Neue Eiche kann schnell dominant werden und kräftige Holz-, Gewürz- und Tanninnoten abgeben. Entsprechend skeptisch war ich zunächst. Die verkostete Abfüllung wirkte jedoch überraschend elegant und erinnerte stellenweise an Cognac.

Regionale Eiche ist damit kein bloßes Herkunftsargument. Sie verlangt sorgfältige Auswahl, Toasting und Kontrolle der Reifezeit. Richtig eingesetzt, kann sie einem deutschen Whisky ein Profil geben, das nicht durch die üblichen Ex-Bourbon- und Sherryfässer definiert wird.

Was vom Besuch besonders blieb

  • Die persönliche Führung und der direkte Austausch mit dem Brenner.
  • Die Vielfalt der Fässer auf vergleichsweise engem Raum.
  • Der trockene und feine Einfluss der Fino-Fässer.
  • Ein rauchiger deutscher Single Malt mit überzeugender Balance.
  • Die eigenständige Wirkung regionaler Pfälzer Eiche.

Saillt Mór heute besuchen oder kaufen

Dieser Artikel beschreibt den Stand unseres Besuchs im Jahr 2020. Er ist keine aktuelle Veranstaltungs- oder Verfügbarkeitsmeldung. Wer eine Führung plant oder eine bestimmte Abfüllung sucht, sollte Termine, Shopangebot und Öffnungszeiten direkt bei Saillt Mór beziehungsweise der Destillerie Ralf Hauer bestätigen.

Andere deutsche Abfüllungen lassen sich in unserer Deutschland-Collection vergleichen. Der Ratgeber Whisky aus aller Welt ordnet Deutschland zusätzlich in einen internationalen Tasting-Kontext ein.

Fazit

Der Besuch bei Saillt Mór war mehr als ein Zwischenstopp. Brennhaus, Fino-Fässer, rauchiger Single Malt und Pfälzer Eiche zeigten eine selbstbewusste deutsche Whiskyhandschrift. Die konkreten Abfüllungen von damals mögen heute nicht mehr verfügbar sein; der Erfahrungswert bleibt: Herkunft wird spannend, wenn Rohstoff, Brenntechnik und Fasswahl tatsächlich zusammenpassen.